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Landwirtschaft

Streuobstwiese am Wurmlinger Kapellenberg; © VIELFALT
Streuobstwiese am Wurmlinger Kapellenberg; © VIELFALT

VIELFALT e.V. macht sich im Bereich Landwirtschaft insbesondere für den Erhalt unserer landschaftsprägenden Streuobstwiesen im Landkreis Tübingen stark. Mit dem Projekt PLENUM steht der Region ein Instrument zur Verfügung, mit dem konkrete Vorhaben zur Bewirtschaftung, Pflege und Nutzung von Streuobstwiesen und -bäumen, Verwertung und Vermarktung des Obstes sowie Wissenstransfer rund um das Thema unterstützt werden können, ganz getreu dem Motto „Schützen durch Nützen“.

Gerätschaften zur Obstbaum- und Wiesenpflege

Nicht nur bei der Verwertung des Streuobstes, sondern auch hinsichtlich der fachgerechten Pflege des Grünlands und der Streuobstbäume kann PLENUM finanzielle Unterstützung leisten.
Aus naturschutzfachlicher Sicht ist das Mähen mit dem Balkenmäher und anschließendes Abräumen der Mahd (idealerweise als Heu) die sinnvollste Art der Streuobstwiesenpflege, da auf diese Weise die Eigenschaften eines artenreichen Magerrasens am besten erhalten bzw. erreicht werden können. Aber auch die Pflege mit dem Mulcher ist sowohl dem regelmäßigen Schnitt mit dem Rasenmäher (Übernutzung), als auch dem völligen Ausbleiben einer Pflege (Unternutzung) vorzuziehen.
Wie bei allen PLENUM-geförderten Projekten muss die Auslastung der Gerätschaften gewährleistet sein. Antragsteller, die dies mit den eigenen Flächen nicht erreichen, haben die Möglichkeit, ihr Gerät zum Verleih oder den Einsatz des Geräts als Dienstleistung auf Flächen anderer Gütlesbesitzer anzubieten.
So stellt beispielsweise der OGV Mössingen seinen PLENUM-geförderten Gestrüppmäher seinen Mitgliedern zur Verfügung und pflegt zudem einige Allmendteile der Stadt Mössingen.
Die NABU-Gruppe Nehren hat mittels PLENUM-Förderung einen eigenen Balkenmäher anschaffen können, um so einige Nehrener Streuobstwiesen, die sich zum größten Teil in sehr steilen Lagen befinden, sowie naturschutzfachlich bedeutsame Feuchtgebiete und Halbtrockenrasen sachgerecht zu pflegen. Das Gerät wird darüber hinaus an Gütlesbesitzer verliehen.

Ausstattung Schäfereien und Ziegenhalter

Auch die Schäfereien und Ziegenhalter im Landkreis leisten einen wichtigen Beitrag zur Wiesenpflege, sei es auf Streuobstwiesen oder anderen naturschutzfachlich wichtigen Flächen.
PLENUM unterstützt Schäfereien und Ziegenhalter beispielsweise bei der Anschaffung von Beweidungszäunen und Ablammbuchten.

Konzeptionelle Projekte

Wort-Bildmarke "my stueckle"
Wort-Bildmarke "my bäumle"

Mössinger Streuobstkataster
Die Stadt Mössingen hat in Kooperation mit dem Netzwerk Streuobst Mössingen e.V. ein modernes, digitales Instrument entwickelt um einfach und unbürokratisch die Verpachtung der Mössinger Allmendstückle zu optimieren: das Streuobstkataster ist online nutzbar unter www.mystueckle.de. Interessierte können sich hier nicht nur zur Verfügung stehende Streuobstflächen, gefiltert nach Lage, Größe, Pflegezustand, Alter und Obstarten anzeigen lassen, sondern darüber hinaus auch nützliche Hinweise zur naturschutzfachlich sinnvollen Pflege erhalten.
Die im Rahmen des Projekts erhobenen Daten sind dabei vielfach nutzbar. Sie ermöglichen nicht nur eine leichtere und transparentere Vergabe der Allmendteile, sondern auch die Durchführung von Obstbörsen und anderen Veranstaltungen, die Schaffung des Patenschaftsmodells mybäumle des Netzwerks Streuobst, die Planung von Abfuhrmodellen und Pflegemaßnahmen, die Umsetzung von Forschungsprojekten, die öffentlichkeitswirksame Präsenz der Kulturlandschaft und nicht zuletzt eine höhere Identifikation der Bürger mit ihr.

Prosumenten der Streuobst-SOLAWI bei der Apfelernte
Prosumenten der Streuobst-SOLAWI bei der Apfelernte; © Kley

SoLaWi Tübingen
Die ausgedehnten und artenreichen Streuobstwiesen sind ein ganz besonderes Landschaftsmerkmal des Landkreises Tübingen. Die Bewirtschaftung, die für den Erhalt dieser vom Menschen geschaffenen Kulturlandschaft notwendig ist, lässt jedoch zunehmend nach: Viele der älter werdenden Gütlesbesitzer können die Pflege und Ernte der Wiesen und Bäume nicht mehr alleine leisten und/oder die Nachfolge ist möglicherweise nicht geregelt. Vor allem bei jüngeren Menschen wächst zwar zunehmend das Interesse an der Selbstversorgung mit ökologischen und vor allem lokal produzierten Produkten; gleichzeitig wird jedoch der Alltag von Berufstätigen zeitlich immer voller, was eine umfassende Selbstversorgung oder das konsequente und fachgerechte Bewirtschaften einer Obstwiese erschwert. Hier gilt es neue Wege zu beschreiten.
Das Modell der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) beschreibt eine innovative Form einer regionalen Vertragslandwirtschaft, bei der eine Gruppe von Verbrauchern (sog. Prosumenten) eine Kooperation mit einem Landwirt vor Ort eingeht. Auf diese Weise entsteht einerseits (für einen festgelegten Zeitraum) eine Abnahmegarantie für den Landwirt; andererseits erhalten die Prosumenten gegen einen vereinbarten monatlichen Betrag regelmäßig ihren Anteil an saisonalen Produkten. Darüber hinaus haben die Prosumenten durch freiwilliges Mitwirken die Möglichkeit, Einblicke in die Produktion ihrer Lebensmittel zu gewinnen, sich mit anderen auszutauschen und einen eigenen wirtschaftlichen Beitrag zu leisten.
Diese Form der Bewirtschaftung gewinnt zunehmend an Bedeutung, da sie aufgrund der Planbarkeit der Direktvermarktung, aber auch finanziell für Landwirte und Verbraucher sehr attraktiv ist. Durch den direkten Kontakt und das Mitwirken und Mitgestalten entsteht zudem Vertrauen, Wissenstransfer, Transparenz und gegenseitige Wertschätzung zwischen allen Beteiligten. In den letzten Jahren sind deutschlandweit über 100 Initiativen der Solidarischen Landwirtschaft entstanden.
Auf dem Biolandhof Waldhausen in Tübingen wurde das Konzept der SoLaWi modellhaft auf den Streuobstbereich übertragen. Wissenschaftlich begleitet wurde das Vorhaben von der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg.

Mehr über die Streuobst-SoLaWi finden Sie unter: https://streuobst-solawi.de/wordpress/

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